Samstag, 14. Januar 2012

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 4

Ich las häufiger von einer Methode, sich mit der Sprache der Karten besser vertraut zu machen, die wohl eher im englischsprachigen Raum bekannt zu sein scheint: Kartenlesen während des Fernsehens. Vielleicht liegt es daran, dass in anderen Nationen der Fernseher häufiger in Betrieb ist? Ich habe diese Idee jedenfalls bislang eher schief von der Seite betrachtet, sie aber unlängst ausprobiert.

Vielleicht kennt ihr die schwedische Krimi-Serie 'Maria Wern, Kripo Gotland'? Bei der letzten Folge 'Die Insel der Puppen' habe ich einen Versuch gewagt – unter den skeptischen Augen meines Gatten, der sich fragte, was das wohl solle… ;-)

Um nicht Gefahr zu laufen, mich selber zu beschummeln, habe ich ihm meine Frage und die Interpretation der Kartenauslage mitgeteilt (nein, er konnte dem nicht entkommen!).

Frage:
Was steckt hinter dem Verbrechen, was ist der eigentliche Grund dafür?

Meine erste Deutung:
Viele Herzkarten (=Wasser), es dürfte sich um ein Verbrechen aus emotionalen Beweggründen, ein Verbrechen aus Leidenschaft handeln. Mit der Herz 2 'Die Liebenden'  in der Bauchposition dachte ich an eine Liebesgeschichte, Herz 3 'Die Klammer' in der Halsposition versprach ein emotionales Drama, eine Affäre und Eifersucht. Die beiden Buben machten auf mich den Eindruck, als könne eine Frau zwischen zwei (jungen, dynamischen) Männern hin- und hergerissen sein.
Ich war über lange Zeit des Films sehr unsicher, weil sich ein Motiv aus Liebe und Eifersucht einfach nicht abzeichnete.

Am Ende stellte sich der Fall folgendermaßen dar:
Als Mörderin wurde eine Frau entlarvt, die ihre ehemaligen Mitschülerinnen auf eine Insel zum 'Ehemaligen-Treffen' einlud, um sie dort nacheinander zu töten. Grund für diesen Rachefeldzug war ein Vorfall aus ihrer Schulzeit. Sie waren als Jugendliche in einer größeren Gruppe auf dieser Insel gewesen. Die heutige Kripo-Beamtin und deutlich hübschere Maria Wern hatte damals mit dem Freund der späteren Mörderin geknutscht, was diese tief verletzt hatte. Doch kein Mädchen aus der Clique hatte Verständnis für ihre Situation gezeigt, was ihr Leiden noch verschärfte. Dafür wollte sie nun Rache nehmen.

Mein Fazit:
Wenn ich auch im Großen und Ganzen eine recht stimmige Prognose abgeben konnte, bei den Buben musste ich umdenken… Sie stellten keine Personen dar, die Handlung wurde allein von Frauen bestimmt. Auch wenn eine männliche Figur am Rande involviert war, ging es doch eigentlich nur um das Beziehungsgeflecht unter den beteiligten Frauen.
Ein Blick auf die Positionen hilft hier vielleicht weiter – die Buben liegen in der Kopf- und Fußposition der Auslage. Sie sind die Motivation für die Tat und die Basis. Der feurige und leidenschaftliche Karo-Bube 'Dango' ist eine schillernde, nach außen wirkende Figur. Er riskiert gern etwas, spielt mit dem Feuer. Der luftige Kreuz-Bube 'Lancelot du Lac' ist introvertierter, verbindet Gefühl und Verstand, ist ein Suchender oder sogar Streuner, eben ein unsteter Luftikus, der seinen sich stets wandelnden Idealen folgt.
So ganz reichte mir diese Erklärung nicht. Da musste noch etwas mehr sein… Was repräsentieren die Buben denn generell? Sie stellen eine junge, männliche Energie dar –> die 'Sturm&Drang-Zeit' der Jugendlichen. DAS scheint mir schlüssig in diesem Zusammenhang! Der Hintergrund des Verbrechens war eine enttäuschte Herzensangelegenheit aus der Jugendzeit.


Mir hat dieses Experiment viel Spaß gemacht und mein Verständnis für die Buben erweitert. Ich kann nur empfehlen, es selber einmal zu versuchen – egal mit welchem Deck!

4 Antworten:

Devona hat gesagt…

*lol* Du bist echt die Härte....

Leider erklärt mir dein Experiment als Solches so gar nix...also nicht den Sinn der Sache an sich...es laufen ja nun nicht andauernd Krimis ( wo so eine Frage durchaus nachvollziehbar ist), was mache ich denn mit Ratgebersendungen, Serien, Spielfilmen? Irgendwie bekomme ich Kartenlesen und Fernsehen nicht so wirklich zusammen...aber ich finde es mal wieder toll, was Du da verzapft hast, das ist echt gigantisch...ich muss immer nopch lachen.

Phine hat gesagt…

Zitat: Leider erklärt mir dein Experiment als Solches so gar nix...also nicht den Sinn der Sache an sich...

Deswegen habe ich diese Übung auch stets beargwöhnt!
Der Sinn der Sache ist schlicht der, die 'Tarotmuskeln' (oder sonstigen Kartendeck-Muskeln) zu trainieren und die feinstofflichen Verbindungen zu ölen *gg*.
Du liest halt die Karten – oder befragst das Geomantische Orakel oder was auch immer – für eine unbekannte, wenn auch fiktive Person gleich zu Beginn der Geschichte. Alternativ kann man das auch für Romanfiguren tun. Da dauert es nur länger, eben die Lesezeit, bis man das Ergebnis hat.

Mir hat es in diesem Fall geholfen, die Hofkarten als Lebensphasen des Menschen zu erkennen:
Mädchen = Kindheit
Buben = Jugend/Pubertät
Königinnen = Erwachsenenzeit
Könige = Alter
Sicher, jetzt schlage ich mir mit der flachen Hand vor die Stirn, weil es im Grunde so offensichtlich ist und ich meine, es unbewusst auch schon so verstanden zu haben – aber erst jetzt ist es in meinem Bewusstsein angekommen und dank dieser Übung auch verankert.

Es braucht ganz sicher nicht zwingend dringend einen Krimi. Der bot sich mir nur gerade an. Mit der entsprechenden Fragestellung kann man alle von dir genannten Genres kartenlesend begleiten ;-) . Ich habe es auch schon mit einer Folge 'Lie To Me' versucht. Das ging hervorragend! :-D
Ok, bei den Ratgebern wird es schwieriger, ein 'überprüfbares' Ergebnis zu erzielen… Da empfiehlt es sich wohl eher, nach der Brauchbarkeit und dem Nutzen für einen selber zu fragen. Oder so in die Richtung…

Am Wichtigesten erscheint mir einfach, das sich Kartenbedeutungen vertiefen und Deutungen erweitern.

Lady hat gesagt…

;) ich musste so lachen während deiner Geschichte ;)

1. kam mir sofort in den Sinn:kauf dir einen TV (ich habe nämlich keines seit Jahren)
2. bei den seichten Krimis, die ich hie und da bei meiner Mutter seh, brauchts wahrlich keine Intuition, da geht mit lernen nichts ;)

3. vielleicht ne Talkshow => wer hakt wem die Augen als erstes aus

ich lache immer noch ;)

Phine hat gesagt…

Ich hatte auch meinen Spaß an dieser Lesung ;-) .

Die Idee, sich mal eine Talkshow vorzunehmen gefällt mir sehr! Da ich nun kein großer Fan dieser Sendungen bin und sie daher so gut wie nie sehe, werde ich es allerdings kaum ausprobieren können… Aber vielleicht magst du das einfach mal tun und darüber berichten? Das wäre Klasse!

(Übrigens war ich ganz überrascht, wieviele Klicks auf dieses Block dadurch zu Stande kamen, weil über Google nach der Auflösung des Krimis gefragt wurde ;-). )