Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 3.1: Ist Tarot auf das Spielkartensystem übertragbar?

Ich dachte mir, es sei nur fair, auch den Tarot um seine Einschätzung zu diesem Thema zu bitten. Immerhin geht es ja darum, dieses Kartensystem als Stellvertreter eines anderen Systems einzusetzen. Die Spielkarten haben ja bereits dankend abgewunken und empfehlen charmant, von diesem Ansinnen Abschied zu nehmen.

Ich habe für die Befragung das Albano-Waite-Deck ausgewählt. Es ist eine in den 1960ern colorierte Version des RWS – also im Grunde ein Standard-Deck, das sich einer Modernisierung unterzogen hatte. Das Deck drängte sich mir wohl deshalb auf, weil es mir innovativer und damit experimentierfreudiger als die übrigen Klassiker erscheint. Dieses Mal fielen beim Mischen auch keine Karten vorab aus dem Deck.
Als Legesystem wollte ich ein dem Tarot entsprechendes, ebenfalls vier Karten umfassendes Auslegeschema verwenden, bei dem auch die Positionen auch den Elementen zugeordnet werden: Ein 'Kleines Kreuz' mit folgenden Positionsbeschreibungen schwebte mir vor:
  1. Feuerplatz: Das Thema. Was steht von Seiten der Tarotkarten im 'Brennpunkt der Betrachtung', wenn sie als Spielkarten fungieren sollen?
  2. Wasserplatz: Was bedeutet das für die Intuition?
  3. Luftplatz: Welche Argumente sprechen für oder gegen einen Austausch?
  4. Erdplatz: Auf welcher Basis fände ein solcher Austausch der Systeme statt?
Zur Verdeutlichung der Plätze habe ich ein kleines Quadrat in die Mitte gelegt.

Die Frage lautet: Was sollte ich wissen, wenn ich ein Tarotdeck als Spielkartendeck umfunktioniere, um nach der Methode von Ana Cortez mit ihm zu lesen?


Da habe ich doch laut aufgelacht – auf dem Feuerplatz liegt die sehr körperliche Münzen 10. Was wohl heißt, dass sich die real existierenden 10er eines Tarotdecks nicht einfach so aus dem Spiel entfernen lassen wollen. Die stellen sich deswegen sprichwörtlich auf den Kopf! Sie gehören doch seit Generationen zu den Zahlenkarten des Tarot dazu.

Und es tauchen auch in dieser Lesung die 3 der Erde (Münzen 3) auf, die bereits bei der Spielkartenlesung fielen und die ich dort miteinander verglich bezüglich ihrer Wirkung. Analog zu jener Lesung drückt sie hier umgedreht liegend wohl dasselbe aus. Auf dem Luftplatz wird damit ein Gegenargument deutlich: Ein produktives 'Miteinander' oder fruchtbares Zusammenwirken unterschiedlicher Gewerke (hier: Systeme) scheint mit einem reduzierten Deck nicht gelingen zu wollen. Die umgedrehte Münzen 3 weist vielmehr auf die schlechte Übertragbarkeit auf das andere Kartensystem hin. Ein nettes Gimmick ist die Optik, die diese Erdkarte in beiden Lesungen ganz oben in der Auslage erscheinen lässt. Auch mutet mir das Ambiente gerade ein wenig nach Gruft an, was die Karte Pik 3 'Das Grab' wieder vor mein geistiges Auge holt.
Dazu liegen auch noch die beiden genannten Erdkarten umgedreht, ein Zeichen, dass sie ihr Potenzial nicht entfalten können. Das erinnert mich an ein achselzuckendes: "Wir würden ja gerne, aber wir können so nicht…"

Außerdem gesellt sich noch eine weitere Karte des Erdelements dazu, was der ganzen Atmosphäre einen sehr, sehr trägen Anstrich verleiht. Auf dem Wasserplatz liegt das Münzen-AS. Für die Intuition mag diese Überbetonung an Erde in der gesamten Auslage bedeuten, dass sie dort festgehalten und gespeichert wird, ihr die Möglichkeit des Fließens abhanden kommt, dass sie erstarrt. Im Münzen-AS sehe ich eine Reduktion der ausliegenden Zahlenfolge. Ausgehend von der Platznummerierung sieht es von der Münzen 10 zum AS fast aus wie eine 'Amputation'. Beziehe ich die die optisch dazwischenliegende Münzen 3 mit ein, ist es eine sehr schnell fortschreitende Minimierung des gesamten Potenzials.
In beiden Lesungen fehlt das Wasser – das macht einen recht uninspirierten, 'drögen' (trockenen) Eindruck, da ist keine Geschmeidigkeit, nichts, was die Erde zu fruchtbarem Boden machen würde…

Sogar ein Ritter liegt in diesem Bild aus. Bei der Spielkartenlesung ist sein Pendant der Bube (dort fiel der dem Luftelement zugehörige Kreuz-Bube). Er soll die Basis anzeigen, auf der ein Austausch stattände. Und die scheint recht bewegt. Er wirkt, als würde er mit Feuereifer den Münzen 10 zu Hilfe eilen wollen… Jedenfalls reitet er nach meinem Dafürhalten nicht in die Zukunft, sondern wendet sich der Vergangenheit zu. Er stürmt jenen Tagen entgegen, als die 10er noch im Kanon der Zahlenkarten enthalten waren und niemand an ihrem Stuhl sägte.


Interessanterweise meldet sich kein Trumpf direkt zu Wort. Aber die Großen Arkanen sind Alleingänge sowieso gewohnt, lassen ja ohnehin schon zu, dass man mit ihnen alleine spielt – oder eben auch mal ohne ihre Anwesenheit auskommt. Das macht sie irgendwie 'erhaben', oder? Sie schweben dann einfach als Quintessenz über der Lesung. Hier meldet sich aus dem Hintergrund in in der errechneten Quintessenz Trumpf XIIII TEMPERANCE. Auch eine Art, auf etwas Wichtiges hinzuweisen! Umfasst eine Farbfolge der Spielkarten 13 Karten, so besteht der komplette Farbsatz des Tarot (inklusive der 10er!) aus genau 14 Karten…
Danke, ich habe verstanden: Auch der Tarot ist nicht angetan von meinem Experiment ;-) .


Weiter brauche ich wohl nicht in die Deutung einzutauchen. Sollte jemandem noch etwas Wichtiges auffallen, bitte ich, von der Antwortfunktion regen Gebrauch zu machen.