Freitag, 4. März 2011

Lilo Schwarz war in Hamburg – Tag 1

Fast eine Woche ist der Workshop von Lilo Schwarz nun schon her – und ich bin immer noch ganz angefüllt von dem dort Erlebten.
Ich will versuchen allen, die diese Gelegenheit nicht wahrnehmen konnten oder wollten, einen kleinen Einblick in das Seminar zu geben. Natürlich durch meine Brille, durch die ich Lilo sah.

Im Dialog mit Lilo und den Bildern des Tarot

Bereits der Auftakt in das vor mir liegende Wochenende war ganz nach meinem Geschmack!
Eine Flipchart zeigte gleich, was wir von diesem ersten Tag erwarten durften. Auf dem Boden lagen die Trümpfe des Rider-Waite-Smith-Tarot in Übergröße – zu meiner besonderen Freude ohne Bildtitel!!! – buntgemischt auf dem Fußboden, der fortan unseren überdimensionalen Tisch darstellte.

Einstieg in das Seminar
Nach der obligaten Vorstellungsrunde, in der wir auch unseren Auftrag an Lilo formulieren sollten, den jede/r an sie hatte, waren wir aufgefordert, einen Trumpf herauszugreifen, der uns in diesem Augenblick besonders ansprach.
In der ersten Übung betrachteten wir den gewählten Trumpf  'mit Kinderaugen', als erblickten wir die Karte zum allerersten Mal, um dann in das Bild zu schlüpfen und sich dort umzusehen, hinzusetzen, in Kontakt mit Figuren, Tieren oder den Pflanzen und zu treten etc.). Am Ende dieser Kartenmeditation sollten wir einen eigenen Titel für das Bild gefunden haben. Mir fiel im Verlauf mir ein, dass ich genau diese Karte beim Tarotkongress im November 2010 zur Einstimmung ihres Vortrages auf meinem Platz vorfand…
Diese Karte war der Ausgangspunkt für die weitere Arbeit mit den Karten über diesen Tag. Lilo ist 'Waitianerin', während ich mich mit dem Tarot de Marseille und Thoth-Deck vertrauter fühle. Daher wechselte ich für die weiteren Karten zu meinem getrimmten Thoth-Deck über. Interessanterweise war das ein wichtiger Prozess für mich, denn dieses Mal bemerkte ich überdeutlich, dass sich die Trümpfe auf Grund der ausgelösten Assoziationen nicht einfach so austauschen ließen. Zwar lag der Thoth-Trumpf weiterhin offen aus, ich arbeitete im Geiste aber doch mit dem Waite-Smith-Trumpf weiter… Sicher wäre es gescheiter gewesen, dann auch den ursprünglichen RWS-Trumpf vor mir liegen zu haben, um mich ganz auf die Bildsprache einlassen zu können und den Kopf abzuschalten. Das mache ich beim nächsten Mal, ganz bestimmt!!

Zum offen ausgewählten Trumpf gesellte sich eine weitere Karte, die wir mit einer persönlichen Fragestellung – oder einem 'Auftrag' wie Lilo sagt – aus dem verdeckten Fächer jede/r für sich zogen. Zunächst ließen wir diese Karte verdeckt liegen, bis wir es vor lauter neugieriger Spannung nicht mehr aushielten.  Dann erst sollten wir die Karte schnell umdrehen, ansehen und unsere erste Reaktion festhalten, um die Karte dann gleich wieder zu vedecken und uns ganz auf den ersten Eindruck zu konzentrieren. Was war das, was durch das Ansehen der Karte ausgelöst wurde? Bei mir stellte sich gleich ein 'och nöö' ein. Im Sinne von 'das will ich aber nicht, da habe ich keinen Bock drauf'!
Wir erkundeten nach dem Erspüren, Benennen und Auskosten der ersten, impulsiven Reaktion, was uns diese Karte mitteilte, wie wir sie interpretiert hatten. Danach war die ganze Gruppe aufgefordert weitere Interpretationen anzubieten. Wir untersuchten, wie die beiden Karten zusammenspielten, wie sie gemeinsam ein Bild ergaben, wie sie einander durchdrangen.
Für mich war sehr spannend zu erleben, wie persönlich ich die Karten nehme und ihren Sinn auslege. Auch wenn ich mir immer über den 'Eigenanteil einer Intepretation' im Klaren bin, ist es doch sehr heilsam, es so eindringlich zu erfahren. Die Interpretationen der anderen TeilnehmerInnen ließen mich meine Karte noch einmal von einem anderen Blickwinkel ansehen… Aus dem resignierten 'och nö' des ersten Moments wurde ein aufgewecktes 'oha!' .

Die dritte Karte sollte den nächsten sinnvollen Schritt repräsentieren und wurde wieder aus dem verdeckten Fächer gezogen. Auch diese Karte wurde nicht angeschaut, sondern auf einem selbst gewählten Platz im Raum auf den Fußboden gelegt und zwischen die Füße genommen oder 'betreten'. Ich hatte mich mit dem Fuß auf die Karte gestellt, die Augen geschlossen und war bis dahin immer noch fest davon überzeugt, dass ich wohl eher zu der 'Ich spüre nichts'-Fraktion gehören würde.  Mir die Erlaubnis zu erteilen, nichts zu spüren war mir dabei sehr hilfreich! Irgendwie schwankte ich dann ganz fürchterlich, zumindest innerlich. Als stünde ich an Bord eines Schiffes in schwerer See. Das schob ich auf einen schwachen Kreislauf…  Als würde ich immer in alle Richtungen gezogen. Nach einigen Minuten des Spürens und inneren Schwankens sollten wir uns die Karte ansehen, die wir gezogen hatten und mit dem Erspürten vergleichen. Uuups, mein Gefühl spiegelte die gezogene Karte bestens wieder!


Im nächsten Schritt näherten wir uns nach den Regeln der Systemaufstellung exemplarisch einer 3-Kartenauslage, denn die war im Verlauf des Tages ja entstanden.
Dafür legte die Person ihre drei Karten auf dem Fußboden aus, bestimmte die Repräsentanten und führte sie an ihre Plätze, also zu den Karten. Auch ich war aufgefordert worden und stellte Karte 3 dar. Ich fühlte mich zwar geehrt, war mir aber nicht sicher, ob ich das in mich gesetzte Vertrauen auch würde erfüllen können. Probieren wollte ich es auf jeden Fall, immerhin war das Eis zu meinem eigenen Empfinden durch die vorangehende Übung ja gebrochen.
Meine Eindrücke waren überwältigend und überzeugten mich sowohl von meiner eigenen 'Fähigkeit zu spüren', als auch von der Wirksamkeit einer Aufstellung. Ich konnte mich zunächst nicht mehr bewegen und meine sonst kalten Füße fingen an, sich zunehmend zu erwärmen. Sobald sich die Person der Karte 1 räumlich veränderte, veränderte sich auch mein körperliches Empfinden. Das Gefühl einzementiert zu sein und zu völliger Starre 'verdammt zu sein' wich einem inneren Vibrieren, als wollte ich den Beton um mich lockern und mein bis dahin gerade nach vorn ausgerichteter Kopf flog förmlich zur Seite, um Karte 1 und 2 anzusehen! Nachdem mein Bedürfnis, um mich wohlzufühlen, erfüllt worden war (das erforderte wieder eine neue räumliche Konstellation unter uns drei Repräsentanten), entspannte sich mein Körper sofort, nahm eine lockere Haltung mit Stand- und Spielbein ein und fühlte sich wieder flexibel an.
Die aufstellende Person erzählte uns, nachdem wir aus unseren Rollen wieder entbunden waren, dass sie nun für sich wisse, was sie zu tun habe. Allein von der Kartenauslage sei ihr das noch nicht so klar gewesen.


Zum Abschluss legten wir alle noch einmal unsere Auslagen auf dem Boden aus und unterstützten uns gegenseitig, den nächsten sinnvollen Schritt mit Interpretationsangeboten für uns zu entschlüsseln.


Den ersten Tag habe ich für mich als sehr intensiv erlebt. Die Übungen zum Erspüren einer Karte durch kurzes Ansehen und Beobachten der ersten Reaktion auf sie, werde ich sicher häufiger machen. Genauso wie das Begehen einer verdeckten Karte, um sie körperlich aufzunehmen.


Tag 2 folgt.

2 Antworten:

Devona hat gesagt…

Phine, hab lieben Dank für diese Eindrücke. Wichtig ist, daß es DIR richtig Spaß gemacht hat, ich entsinne mich noch, daß Du mal von einem Event mit eher zwiegespaltenen Gefühlen kamst. Das war hier nicht so und das ist wirklich schön.

Phine hat gesagt…

Erst einmal 'Herzlich Willkommen in der regelmäßigen Leserschaft', liebe Anne! Du bist immer da und antwortest auf meine Beiträge, schon klar ;-) . Aber ich freue mich sehr, deinen Avatar jetzt hier zu sehen!!!

Ja, das Seminar war wirklich sehr schön und auch sehr 'dicht'. Für die Beschreibung von Tag 2 brauche ich auch noch ein bisschen, weil die Legung noch Aufmerksamkeit verdient…

Hab einen schönen Sonntagabend!
Phine