Samstag, 15. August 2009

Das "Beschneiden" von Karten (auch "Trimmen" genannt)

Mich haben über lange Zeit die Ränder der Tarotkarten "geärgert", weil sie meinen Blick zum Einen eingrenzen und mich zum Anderen von den Darstellungen ablenken. Außerdem kehren meine Augen immer wieder zu den dort aufgebrachten Bezeichnungen zurück, lesen z.B. King of Wands und veranlassen mein Gehirn wieder stark "linkshirnig-analytisch" zu arbeiten - dabei sehe ich doch auch so, dass es sich um einen Monarchen handelt, der einen Stock in der Hand hält...
Als westlich geprägter Mensch, der des Lesens kundig ist, orientiert sich mein Gehirn aber immer wieder nur zu gern an "Lesbarem" und schon sind meine Augen auf die Lesebewegung kalibriert. Der gerade begonnene "rechtshirnig-kreative" Prozess wird wieder unterbrochen.

Bild gefunden bei: http://haa-s.de/lernen/hdiana.pdf



Aufmerksam bin ich auf das "Trimmen der Karten" im AeclecticTarotForum geworden - und habe es das erste Mal beim Röhrig-Deck versucht. Mit vorzüglichem Erfolg, den ich sofort auf viele weitere Decks ausdehnte - auch Crowley´s Thoth Deck kann jetzt frei atmen!
Tatsächlich ist der Vorgang des Trimmens für mich sehr speziell gewesen. Ich wählte zum "Üben" das Deck von Röhrig aus, weil ich es sehr günstig erworben hatte und mir das Deck zu dem Zeitpunkt ohnehin nichts sagte... Das sollte sich während der Entfernung der Ränder grundlegend ändern! Es war wie eine Initiation... Deshalb bevorzuge ich auch tatsächlich den Begriff "Beschneidung". Es ist wirklich ein Ritual, das die Bilder plötzlich ganz anders wahrnehmen und erleben lässt.
Für´s Protokoll: Nein, meine TdMs erfahren KEINE Beschneidung - die brauchen das nicht!




Anleitung zum "Beschneiden der Karten"


Ich beginne mit einem "kurzen" Rand, vorzugsweise dem, auf dem Zahlen und / oder Namen aufgedruckt sind. Das schont die Klinge und gibt für die langen Geraden eine bessere Kante zum Anlegen auf dem Rollschneidebrett.

Nachdem der erste Rand gefallen ist - und die Karte beginnt zu atmen und sich auszudehnen - kommt der gegenüberliegende Rand an die Reihe. Dafür klebe ich mir eine andere Karte mit Tesafilm auf das Brett (diese "Zusatzkarten" z.B., auf denen die weitere Produktpalette des Kartenherstellers aufgedruckt ist), um eine einheitliche rechtwinklige Begrenzung zu erhalten, an die ich die Karten nur anzulegen brauche.
Da der Druck nie gleichmäßig ist, muss von Karte zu Karte geschaut werden, ob ggf. vom ersten Rand noch ein Millimeter abzutrennen ist, sollte auf der zweiten Seite zuviel oder ein wichtiger Part entfernt werden (ist am Rand aber eher unwahrscheinlich).
Natürlich arbeite ich "rationell" - erst wird der erste Rand aller Karten des gesamten Decks abgeschnitten, nach dem Festlegen der Anstoßkante mit Hilfe der "Restkarte" oder Karteikarte wird dann die zweite Seite des gesamten Stapels bearbeitet!

Genauso wird dann mit den nun kürzer gewordenen Langseiten verfahren.

Sind alle Ränder entfernt - ihr glaubt nicht, was für ein Gefühl das ist!!! - kommt das "Finishing".
Dafür werden die Ecken in ihren Urzustand versetzt mit Hilfe eines Eckenrunders.

Nun sind die Karten eigentlich fertig - doch die Schnittkanten fühlen sich noch "komisch" an. Ein wenig rauh und aufgeworfen...
Deshalb streiche ich vorsichtig mit einem Falzbein auf einer Schneidematte über die Ränder von der Rück- und Vorderseite, um sie wieder zusammenzudrücken.

Karte: XIIII Temperance aus dem Cat People Tarot




Und so wirken die Karten im Vorher-Nachher-Vergleich:

III Herrscherin aus dem Röhrig-Deck


III Kaiserin aus dem Thoth-Deck

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