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Montag, 23. Februar 2015

Beispiellesung #2: Wunsch & Wirklichkeit

Franziska überlegt, für einige Monate in ein Ashram in Indien zu gehen. Sie möchte dazu gern wissen:

Welche Wirkung wird ein Aufenthalt im indischen Ashram auf meine spirituelle Entwicklung haben?



Auf den ersten Blick: 
Es liegen nur aufrechte Karten aus, alle Energien entfalten sich "störungsfrei". Die Frage betrifft das Thema Spiritualität und alle Karten zeigen Bilder, die aus dem Themengebiet Religion bzw. Spiritualität – welcher Ausrichtung auch immer – entstammen: XX Le Iugement • XVII Letoille • II La Papesse. Für mich ist es eine Bestätigung, dass sich die Lesung auf die gestellte Frage bezieht. Zusammen mit der aufrechten Lage der gezogenen Karten zeichnet sich bereits das Bild ab, dass sich der Aufenthalt im Ashram förderlich auf Franziskas spirituelle Entwicklung auswirken dürfte.

Auf der Position des Wunsches liegt XX Le Iugement (Das Gericht): Diese Karte symbolisiert Befreiung und Wiederbelebung. Außerdem kann sie für eine größere Menschenmenge, eine Gruppe oder gar die Öffentlichkeit stehen (nach christlichem Glauben werden am "Tag des Jüngsten Gerichts" ALLE Verstorbenen vor den Richter geführt, was diese Karte zum Repräsentanten für "viele Menschen" macht).
Das Bild der Karte stellt in meinen Augen den Ashram dar. Die drei Figuren stehen stellvertretend für eine Anzahl Gleichgesinnter, die zusammenkommen, um zu beten / zu meditieren, um ihre Anschauung gemeinsam an einem geschützten Ort zu leben.
Ich lese in dieser Karte Franziskas Wunsch, neue Impulse in der Gemeinschaft des Ashrams zu erhalten, die ihre buddhistische Praxis und ihr Verständnis der buddhistischen Lehre wiederbeleben. Auch könnte der Wunsch eine Rolle spielen,  sich von der Ablenkung des hiesigen Alltags zu befreien und sich eine zeitlang ausschließlich auf ihren spirituellen Weg zu konzentrieren. Möglicherweise hat sie "einen Ruf" erhalten (aus dem eigenen Inneren oder auch eine Einladung), dem sie nun gerne folgen möchte. XX Le Iugement lässt mich auch an gemeinsame Meditation oder an Chanten denken, was Franziska dort ausüben möchte.

Die Wirklichkeit wird repräsentiert von XVII Letoille ( Der Stern): Diese Karte steht für Hoffnung, in aufrechter Lage für erfüllte Hoffnung. Sie zeigt das Ideal an, den Leitstern. Biblisch gesehen stellt sie den Garten Eden dar – den vollkommenen, idealen Ort.
Mit dieser Karte bestätigt sich wie ein lautes JA, dass der Ashram genau der Ort ist, an dem Franziska für ihre spirituelle Entwicklung finden kann, was sie sich erhofft. Ihr Aufenthalt dort kann sie zu einem tiefen Verständnis und zur persönlichen Ausrichtung ihrer Anschauung führen, zu einem intensiven Kontakt mit ihrem Selbst und ihrem angestrebten Ideal.
XX Letoille erscheint mir wie ein Quantensprung für ihren Weg!

Wie sie die Wirklichkeit erlebt zeigt II La Papesse (Die Hohepriesterin): Diese Karte steht für passives Beobachten, Abgeschiedenheit, Schweigen und auch für Meditation. Alle Kräfte sind nach innen gewandt, ermöglichen in absoluter Ruhe das langsame Setzen eines Samens. Die Karte "entschleunigt" das gesamte Kartenbild.
Die Zeit im Ashram dürfte eine Zeit intensiver innerer Einkehr mit vielen Stunden der Meditation sein. Die gewünschten, gemeinschaftlich gemachten Erfahrungen werden sich wahrscheinlich überwiegend in der Stille vollziehen – beim (gemeinsamen) Meditieren.
Mir kommt außerdem der Gedanke, dass Franziska ihren Aufenthalt wie in Zeitlupe wahrnehmen könnte, wenn sie erst einmal aus unserer Schnelllebigkeit in die Ruhe gefunden haben wird. Vielleicht erlebt sie auch ihre Entwicklung zunächst wie im Schneckentempo, weil es einer längeren Zeit bedarf, bis erste Auswirkungen aus den dort gemachten Erfahrungen für sie spürbar und dann auch nach außen sichtbar werden.


Nach dieser Kartenauslage kann sich Franziska auf einen sehr intensiven, persönlich bereichernden Aufenthalt im Ashram freuen. Die Zeit kann ein Meilenstein ihrer Entwicklung sein, die sich "langsam" und zunächst unmerklich vollzieht – gut Ding braucht eben Weile…

Dienstag, 17. Februar 2015

Beispiellesung: Wunsch & Wirklichkeit

Dieses Beispiel ist eine Auslage der letzten Woche für die geplante Reise meines Mannes und mir zu Freunden. Und ich kann auch schon das Feedback dazu geben ;-) .
Gespielt habe ich mit aufrechten und umgedrehten Trümpfen.
Die Frage lautet: Wie wird unser Kurzurlaub?


Gleich beim ersten Blick fallen mir die beiden umgedrehten Karten auf den Positionen der Wirklichkeit und wie sie gelebt wird auf und erwecken in mir den Eindruck, dass die Fahrt zumindest nicht reibungslos stattfinden wird – wenn überhaupt.

XV Le Diable als Wunsch: In diesem Zusammenhang kommen mir insbesondere die Bedeutungen von Spaß haben, Genuss, Körperlichkeit in den Sinn. Ja, wir wollen es uns bei und mit den Freunden richtig gut gehen lassen. Tun, wonach uns gerade der Sinn steht (Spazierengehen am See z.B.), das Essen genießen, gemeinsam Spaß haben und das Leben feiern…

VIII La Justice (umgedreht): Aufrecht liegend verspräche diese Karte "alles läuft nach Plan", wird entschieden und öffentlich gemacht. Nun liegt sie allerdings umgedreht. Irgendetwas scheint also aus der Norm zu laufen, nicht regelrecht zu funktionieren oder aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Damit erscheint mir dieser Ausflug schon sehr in Frage gestellt.

III L´Impératrice (umgedreht) – so wird die Wirklichkeit erlebt: Diese Karte steht für Gedanken, Pläne, Ideen, Visionen, die intellektuelle Ebene, Kommunikation. Damit umfasst sie auch alle Schriftstücke und ich denke bei der umgedrehten Lage sofort an eine Absage…


Feedback: Unsere Gastgeber haben leider abgesagt – ein Hexenschuss lässt den Mann bewegungsarm das Haus hüten.

Sonntag, 18. Januar 2015

Legesystem "Wunsch und Wirklichkeit"

Hier kommt ein kleines Legesystem, das in der Grundauslage mit zwei Karten auskommt. Gespielt wird mit den Trümpfen. Die zusätzlichen Karten können entweder aus der Kleinen Arkana gezogen werden oder ebenfalls aus der Großen Arkana. Sie dienen der Erklärung, wie Wunsch und / oder Wirklichkeit gelebt werden.

Legesystem Wunsch und Wirklichkeit

Freitag, 2. Januar 2015

Astro-Tarot – eine Annäherung an die Interpretation des Astrologischen Kreises

Das Bloggen ist in den letzten Jahren an den äußersten Rand meiner Prioritätenliste gerutscht und wird vermutlich auch nicht mehr den früheren Stellenwert zurück erlangen. Dennoch möchte ich dann und wann meine Gedankenspiele und das ein oder andere Fundstück hier zeigen – wenn  mir danach ist ;-) …

Zur Jahreswende wird die Auslage des Astrologischen Kreises immer wieder gern genommen. Oft sind Tarotisten nicht gleichzeitig Astrologen und stehen dann interessiert-ratlos vor den gezogenen Karten.
Ich frischte auch gerade wieder mein Wissen hinsichtlich der Häuser auf, um meine eigene Jahreslegung besser zu verstehen. Dabei stieß ich auf ein Arbeitsblatt, das ich vor zwei Jahren anlegte.

Die Anordnung mag ungewohnt sein, ich habe sie von Vincent Beckers übernommen. Sie erweist sich als außerordentlich praktisch, weil die Achsen der Häuser untereinander liegen. Außerdem arbeitet Vincent Beckers mit den Blickrichtungen der Figuren, die bei einer kreisförmigen Auslage kaum zur Anwendung kommen können.

Um einen allerersten Eindruck von der Atmösphäre eines Astrologischen Kreises zu erhalten, habe ich mich ihm gestern folgendermaßen genähert: Die kurzen, charakterisierenden Sätze für die Häuser habe ich ergänzt mit den Schlüsselworten der Trümpfe (ich habe meinen Kreis aus den Trümpfen gezogen).


Zur Verdeutlichung sei es hier am fiktiven Beispiel dargestellt.
"Ich bin kreativ." (III / 1)
"Ich habe das rechte Maß. Ich habe die Balance." (XIIII / 2)
"Ich denke unfrei." (XV / 3)
"Ich fühle mich ohnmächtig. Ich fühle mich ruhig oder auch kraftlos." (XII / 4)
"Ich zeige mich mutig. Ich zeige mich in Aufbruchstimmung." (VII / 5)
"Ich ordne mich ein – Das Arkanum Ohne Namen legt nahe, dass ich in meinen bestehenden Ordnungen / Gefüge radikale Veränderungen vornehme." (XIII / 6)
"Ich verbinde mich authentisch, so wie ich bin. Ich verbinde mich ehrlich." (XVII / 7)
"Ich ergründe 'mein Reich'. Ich ergründe meine Verantwortung." (IIII / 8)
"Ich glaube an das Schicksal, an das Auf und Ab des Lebens. Vielleicht sogar an Wiedergeburt." (X / 9)
"Ich fühle mich berufen zur Meisterschaft. Ich fühle mich berufen, mich selbst auszudrücken." (XI /10)
"Ich freunde mich an – La Papesse ist keine 'Gesellschaftsnudel'. Sie fühlt sich wohl in ihrer Zurückgezogenheit bei der stillen Lektüre eines guten Buches. Sie mag sich einem Literaturkreis oder anderem intellektuellen Zirkel anschließen." (II / 11)
"Ich träume von der Sprengung dessen, was mich einengt." (XVI / 12)


Meine ersten Gedanken zu diesem Beispiel, nachdem ich die Sätze gebildet habe:
Es könnte sich um einen kreativen Menschen handeln, vielleicht sogar im schriftstellerischen Bereich (III / 1). Verstärkt wird diese Idee durch die Karten in den Häusern 10 und 11 – die Berufung, sich selber auszudrücken (XI / 10). Der Löwe schaut auf das Buch der lesenden Papesse im Nachbarhaus (II / 11), während sich die beiden Damen direkt in die Augen sehen.

Offenbar steht der Alltag und das Berufsleben ohnehin vor einer Revision und umfassenden Umgestaltung (XIII / 6). Die Auslage des Arkanum Ohne Namen zeigt 'den Motor' für das betrachtete Jahr, also das Haus, wo einschneidende Veränderungen zu erwarten sind. Allerdings zeigt dieses Bild auch, dass die Gedanken noch an alten Machtstrukturen hängen (XV / 3) und das Gefühl von Ohnmacht (XII / 4) steht der Umsetzung entgegen. Da mag sich die fragestellende Person nach außen auch noch so mutig und in Aufbruchstimmung präsentieren (VII / 5). Der Wagenlenker schaut auf den Hängenden (XII / 4) und lässt sich durch das Gefühl der Ohnmacht von der Reise zunächst abhalten und begnügt sich erst einmal, vom Ausbruch aus der Routine zu träumen (XVI / 12).

Montag, 21. Oktober 2013

Die Höfe und ihre Zuordnung zu den Elementen

Bislang habe ich mich bei der Zuordnung der Hofkarten an die Schule des Golden Dawn gehalten. Das scheint mir auch 'richtig' zu sein für die Decks, die aus dieser Schule hervorgegangen sind. Hier entspricht sie den kabbalistischen Ebenen:
Könige sind dem Element Feuer (Azilut) zugeordnet, Königinnen dem Wasser (Beriah), Ritter der Luft (Jezirah) und Pagen dem Element Erde (Assiah).
Doch gilt diese Zuordnung auch für den Tarot de Marseille???

Yoav Ben-Dov hat in seinem Buch 'Tarot – The Open Reading' eine andere Zuordnung vorgenommen, die sich aus unterschiedlichen Überlegungen ableitet. Diese quellnahe Aufschlüsselung ist mir so plausibel, dass ich sie für meine weitere Arbeit mit dem Tarot de Marseille übernehmen werde.


So können die Elemente folgendermaßen dem menschlichen Körper zugeordnet werden:
  • Füße – Boden, Erde => Münzen
  • Becken – (An-) Triebe, Feuer => Stäbe
  • Brust – Gefühle, Wasser => Kelche
  • Kopf – Intellekt, Luft => Schwerter

Entstanden im Mittelalter, entspricht das auch der zeitgemäßen Philosophie der vier natürlichen Bereiche Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen. Demnach entsprechen die Mineralien dem Element Erde und werden durch die Münzen repräsentiert. Die Pflanzen verkörpern Sexualität und Fruchtbarkeit durch das Element Feuer in den Stäben. In den Tieren erwacht das Empfinden des Elements Wasser, dargestellt durch die Kelche. Mit dem Menschen kommen Vernunft und Sprache des Elements Luft hinzu, versinnbildlicht durch die Schwerter.

Damit ergibt sich analog eine andere Zuordnung der Höfe. Feuer (Stäbe) und Luft (Schwerter) haben ihre Plätze getauscht. Das heißt: Die auf ihren Thronen sitzenden Könige sind dem zufolge der rationalen Luft zugeordnet, während in den noch jungen, ungestümen Rittern das jugendlich-leidenschaftliche Feuer brennt. Außerdem steht das Pferd symbolisch für Kraft, Vitalität, Wachstum und Fruchtbarkeit – was doch sehr in den Bereich der feurigen Stäbe fällt.

Die Hofkarten mit ihren Elementenzuordnungen nach Yoav Ben-Dov




Die Abbildung der Karten erfolgt mit freundlicher Genehmigung von CBD Tarot de Marseille by Dr. Yoav Ben-Dov.