Samstag, 14. Januar 2012

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 4

Ich las häufiger von einer Methode, sich mit der Sprache der Karten besser vertraut zu machen, die wohl eher im englischsprachigen Raum bekannt zu sein scheint: Kartenlesen während des Fernsehens. Vielleicht liegt es daran, dass in anderen Nationen der Fernseher häufiger in Betrieb ist? Ich habe diese Idee jedenfalls bislang eher schief von der Seite betrachtet, sie aber unlängst ausprobiert.

Vielleicht kennt ihr die schwedische Krimi-Serie 'Maria Wern, Kripo Gotland'? Bei der letzten Folge 'Die Insel der Puppen' habe ich einen Versuch gewagt – unter den skeptischen Augen meines Gatten, der sich fragte, was das wohl solle… ;-)

Um nicht Gefahr zu laufen, mich selber zu beschummeln, habe ich ihm meine Frage und die Interpretation der Kartenauslage mitgeteilt (nein, er konnte dem nicht entkommen!).

Frage:
Was steckt hinter dem Verbrechen, was ist der eigentliche Grund dafür?

Meine erste Deutung:
Viele Herzkarten (=Wasser), es dürfte sich um ein Verbrechen aus emotionalen Beweggründen, ein Verbrechen aus Leidenschaft handeln. Mit der Herz 2 'Die Liebenden'  in der Bauchposition dachte ich an eine Liebesgeschichte, Herz 3 'Die Klammer' in der Halsposition versprach ein emotionales Drama, eine Affäre und Eifersucht. Die beiden Buben machten auf mich den Eindruck, als könne eine Frau zwischen zwei (jungen, dynamischen) Männern hin- und hergerissen sein.
Ich war über lange Zeit des Films sehr unsicher, weil sich ein Motiv aus Liebe und Eifersucht einfach nicht abzeichnete.

Am Ende stellte sich der Fall folgendermaßen dar:
Als Mörderin wurde eine Frau entlarvt, die ihre ehemaligen Mitschülerinnen auf eine Insel zum 'Ehemaligen-Treffen' einlud, um sie dort nacheinander zu töten. Grund für diesen Rachefeldzug war ein Vorfall aus ihrer Schulzeit. Sie waren als Jugendliche in einer größeren Gruppe auf dieser Insel gewesen. Die heutige Kripo-Beamtin und deutlich hübschere Maria Wern hatte damals mit dem Freund der späteren Mörderin geknutscht, was diese tief verletzt hatte. Doch kein Mädchen aus der Clique hatte Verständnis für ihre Situation gezeigt, was ihr Leiden noch verschärfte. Dafür wollte sie nun Rache nehmen.

Mein Fazit:
Wenn ich auch im Großen und Ganzen eine recht stimmige Prognose abgeben konnte, bei den Buben musste ich umdenken… Sie stellten keine Personen dar, die Handlung wurde allein von Frauen bestimmt. Auch wenn eine männliche Figur am Rande involviert war, ging es doch eigentlich nur um das Beziehungsgeflecht unter den beteiligten Frauen.
Ein Blick auf die Positionen hilft hier vielleicht weiter – die Buben liegen in der Kopf- und Fußposition der Auslage. Sie sind die Motivation für die Tat und die Basis. Der feurige und leidenschaftliche Karo-Bube 'Dango' ist eine schillernde, nach außen wirkende Figur. Er riskiert gern etwas, spielt mit dem Feuer. Der luftige Kreuz-Bube 'Lancelot du Lac' ist introvertierter, verbindet Gefühl und Verstand, ist ein Suchender oder sogar Streuner, eben ein unsteter Luftikus, der seinen sich stets wandelnden Idealen folgt.
So ganz reichte mir diese Erklärung nicht. Da musste noch etwas mehr sein… Was repräsentieren die Buben denn generell? Sie stellen eine junge, männliche Energie dar –> die 'Sturm&Drang-Zeit' der Jugendlichen. DAS scheint mir schlüssig in diesem Zusammenhang! Der Hintergrund des Verbrechens war eine enttäuschte Herzensangelegenheit aus der Jugendzeit.


Mir hat dieses Experiment viel Spaß gemacht und mein Verständnis für die Buben erweitert. Ich kann nur empfehlen, es selber einmal zu versuchen – egal mit welchem Deck!

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 3.1: Ist Tarot auf das Spielkartensystem übertragbar?

Ich dachte mir, es sei nur fair, auch den Tarot um seine Einschätzung zu diesem Thema zu bitten. Immerhin geht es ja darum, dieses Kartensystem als Stellvertreter eines anderen Systems einzusetzen. Die Spielkarten haben ja bereits dankend abgewunken und empfehlen charmant, von diesem Ansinnen Abschied zu nehmen.

Ich habe für die Befragung das Albano-Waite-Deck ausgewählt. Es ist eine in den 1960ern colorierte Version des RWS – also im Grunde ein Standard-Deck, das sich einer Modernisierung unterzogen hatte. Das Deck drängte sich mir wohl deshalb auf, weil es mir innovativer und damit experimentierfreudiger als die übrigen Klassiker erscheint. Dieses Mal fielen beim Mischen auch keine Karten vorab aus dem Deck.
Als Legesystem wollte ich ein dem Tarot entsprechendes, ebenfalls vier Karten umfassendes Auslegeschema verwenden, bei dem auch die Positionen auch den Elementen zugeordnet werden: Ein 'Kleines Kreuz' mit folgenden Positionsbeschreibungen schwebte mir vor:
  1. Feuerplatz: Das Thema. Was steht von Seiten der Tarotkarten im 'Brennpunkt der Betrachtung', wenn sie als Spielkarten fungieren sollen?
  2. Wasserplatz: Was bedeutet das für die Intuition?
  3. Luftplatz: Welche Argumente sprechen für oder gegen einen Austausch?
  4. Erdplatz: Auf welcher Basis fände ein solcher Austausch der Systeme statt?
Zur Verdeutlichung der Plätze habe ich ein kleines Quadrat in die Mitte gelegt.

Die Frage lautet: Was sollte ich wissen, wenn ich ein Tarotdeck als Spielkartendeck umfunktioniere, um nach der Methode von Ana Cortez mit ihm zu lesen?


Da habe ich doch laut aufgelacht – auf dem Feuerplatz liegt die sehr körperliche Münzen 10. Was wohl heißt, dass sich die real existierenden 10er eines Tarotdecks nicht einfach so aus dem Spiel entfernen lassen wollen. Die stellen sich deswegen sprichwörtlich auf den Kopf! Sie gehören doch seit Generationen zu den Zahlenkarten des Tarot dazu.

Und es tauchen auch in dieser Lesung die 3 der Erde (Münzen 3) auf, die bereits bei der Spielkartenlesung fielen und die ich dort miteinander verglich bezüglich ihrer Wirkung. Analog zu jener Lesung drückt sie hier umgedreht liegend wohl dasselbe aus. Auf dem Luftplatz wird damit ein Gegenargument deutlich: Ein produktives 'Miteinander' oder fruchtbares Zusammenwirken unterschiedlicher Gewerke (hier: Systeme) scheint mit einem reduzierten Deck nicht gelingen zu wollen. Die umgedrehte Münzen 3 weist vielmehr auf die schlechte Übertragbarkeit auf das andere Kartensystem hin. Ein nettes Gimmick ist die Optik, die diese Erdkarte in beiden Lesungen ganz oben in der Auslage erscheinen lässt. Auch mutet mir das Ambiente gerade ein wenig nach Gruft an, was die Karte Pik 3 'Das Grab' wieder vor mein geistiges Auge holt.
Dazu liegen auch noch die beiden genannten Erdkarten umgedreht, ein Zeichen, dass sie ihr Potenzial nicht entfalten können. Das erinnert mich an ein achselzuckendes: "Wir würden ja gerne, aber wir können so nicht…"

Außerdem gesellt sich noch eine weitere Karte des Erdelements dazu, was der ganzen Atmosphäre einen sehr, sehr trägen Anstrich verleiht. Auf dem Wasserplatz liegt das Münzen-AS. Für die Intuition mag diese Überbetonung an Erde in der gesamten Auslage bedeuten, dass sie dort festgehalten und gespeichert wird, ihr die Möglichkeit des Fließens abhanden kommt, dass sie erstarrt. Im Münzen-AS sehe ich eine Reduktion der ausliegenden Zahlenfolge. Ausgehend von der Platznummerierung sieht es von der Münzen 10 zum AS fast aus wie eine 'Amputation'. Beziehe ich die die optisch dazwischenliegende Münzen 3 mit ein, ist es eine sehr schnell fortschreitende Minimierung des gesamten Potenzials.
In beiden Lesungen fehlt das Wasser – das macht einen recht uninspirierten, 'drögen' (trockenen) Eindruck, da ist keine Geschmeidigkeit, nichts, was die Erde zu fruchtbarem Boden machen würde…

Sogar ein Ritter liegt in diesem Bild aus. Bei der Spielkartenlesung ist sein Pendant der Bube (dort fiel der dem Luftelement zugehörige Kreuz-Bube). Er soll die Basis anzeigen, auf der ein Austausch stattände. Und die scheint recht bewegt. Er wirkt, als würde er mit Feuereifer den Münzen 10 zu Hilfe eilen wollen… Jedenfalls reitet er nach meinem Dafürhalten nicht in die Zukunft, sondern wendet sich der Vergangenheit zu. Er stürmt jenen Tagen entgegen, als die 10er noch im Kanon der Zahlenkarten enthalten waren und niemand an ihrem Stuhl sägte.


Interessanterweise meldet sich kein Trumpf direkt zu Wort. Aber die Großen Arkanen sind Alleingänge sowieso gewohnt, lassen ja ohnehin schon zu, dass man mit ihnen alleine spielt – oder eben auch mal ohne ihre Anwesenheit auskommt. Das macht sie irgendwie 'erhaben', oder? Sie schweben dann einfach als Quintessenz über der Lesung. Hier meldet sich aus dem Hintergrund in in der errechneten Quintessenz Trumpf XIIII TEMPERANCE. Auch eine Art, auf etwas Wichtiges hinzuweisen! Umfasst eine Farbfolge der Spielkarten 13 Karten, so besteht der komplette Farbsatz des Tarot (inklusive der 10er!) aus genau 14 Karten…
Danke, ich habe verstanden: Auch der Tarot ist nicht angetan von meinem Experiment ;-) .


Weiter brauche ich wohl nicht in die Deutung einzutauchen. Sollte jemandem noch etwas Wichtiges auffallen, bitte ich, von der Antwortfunktion regen Gebrauch zu machen.

Sonntag, 25. Dezember 2011

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 3: Ist das Spielkartensystem auf Tarot übertragbar?

Weil ich von Natur aus neugierig und experimentierfreudig bin, wenn es um das Spielen mit Tarot & Co. geht, habe ich selbstverständlich schon überlegt, ob sich das von Ana vorgestellte System auch auf ein umfunktioniertes Tarotdeck übertragen ließe. – Auch wenn sie betont, dass es sich hierbei um gänzlich unterschiedliche Systeme handelt.
Also mal angenommen, ich bin unterwegs, habe ein Tarotdeck dabei und möchte doch gern mit dem Spielkartensystem à la Ana arbeiten…

Einen ersten Versuch habe ich bereits mit dem Thoth-Deck für mich unternommen, der für mich sehr spannend war und auch ein hochinteressantes Ergebnis zeigte. Es ist wohl nur normal, dass sich eine solche Auslage mit Tarotkarten anders anfühlt und auch anders liest. Denn zwar lassen sich die Bedeutungen der Karten in beiden Systemen auf die Kombination von Zahlen und Elementen zurückführen, doch gibt es feine Unterschiede. Die Symbolanordnungen, Bilder und eigenen Bedeutungen rufen eben auch andere Assoziationen wach. Es ähnelt ein bisschen dem Spiel, eine Tarotauslage noch einmal mit einem anderen Deck nachzulegen und eine ergänzende Sicht zu gewinnen.

Ich habe dann nachträglich die Spielkarten befragt: Was sollte ich wissen, wenn ich euer System auf ein eurem Aufbau entsprechendes, präpariertes Tarotdeck anwende?
Bereits beim Mischen fielen zwei Karten heraus, die mir zeigten, dass ich mir eine weitere Befragung eigentlich sparen könnte. Aber ich wollte doch üben! Und so konnten mich die fliegenden Karten auch nicht aufhalten. Natürlich habe ich mir die Ausreißer gemerkt:

Zwei schwarze Karten – ♣ 3 'Der Wunsch' und ♠ 8 'Das Steinfeld'… Luft und Erde sind Antagonisten. Ideen, die sich Raum verschaffen und experimentieren wollen (♣ 3 'Der Wunsch') treffen auf eine dichte Mauer aus Erde (♠ 8 'Das Steinfeld'). Oder sollte sich die Wand als Treppe erweisen?? Der Geist (♣ Luft) kann die Übertragung wohl praktisch umsetzen (♠ Erde), doch wo bleibt die Intuition (es fehlt das Wasser) und Inspiration ( Feuer)? Diese Kombination kommt nicht so richtig erfolgversprechend rüber, wirkt 'verkopft'.
Mal sehen, was eine Gegenwarts-Auslage dazu beisteuert.



 Zuerst ein paar Eindrücke, ohne direkt auf die Karten einzugehen:

Kleine Zahlenwerte (2-3-4) zeigen, dass es sich hier um Anfänge oder Ansätze handeln dürfte, dass nur eine oberflächliche Übertragung möglich ist. In den ersten Grundzügen lässt sich der Austausch der Karten vornehmen, doch eben nur nur begrenzt, auf einem niedrigen Level.
Schwarze Karten überwiegen das Bild, was ihm eine Schwere verleiht, es wirkt eher düster, wenig optimistisch, unbewegt.
Es liegen drei von vier Elementen aus – zweimal träge Erde (♠), einmal aufstrebende Luft (♣) und einmal aufstrebendes Feuer (). Es fehlt das Wasser (), das die beiden Erdkarten nähren und fruchtbar machen würde. Möglicherweise ein Hinweis, dass das Ersetzen der Spielkarten durch Tarotkarten zur Folge hat, dass der (ursprüngliche) intuitive Fluss versiegen könnte.
Das Elementebild dieser Auslage erinnert mich an einen Vulkan: Die beiden nach oben strebenden Elemente Feuer und Luft auf Hals- und Bauchposition sorgen zwar für innovative Ideen und geistige Höhenflüge, wollen sich ausdehnen, doch werden sie von oben und unten eingeschlossen vom trägsten Element Erde. Das wirkt irgendwie ‚versperrt‘.


Die Deutung anhand der ausliegenden Karten:

Die konkrete Antwort sehe ich in der Halsposition, weil es sich hier im weiten Sinne um einen Austausch und Vereinbarungen handelt, wenn ich ein System auf ein anderes übertrage.
Die Halsposition wird eingenommen vom ♣ Buben ‚Lancelot du Lac‘, einem geistig sehr regen und wachen, neugierigen jungen Mann. Er ist vielseitig interessiert und talentiert, immer auf der Suche nach neuen Ideen und Eindrücken. Er bringt auch einen Tropfen Wasser mit, weil er einen guten Zugang zu seinen Gefühlen und zu seiner Intuition hat. Als Antwort auf meine Frage bestärkt er mich zunächst, durchaus eine Versuchsreihe zu starten. Sie wird sich sicher belebend auf meinen Geist auswirken und meine Erkenntnisse vertiefen. Da er dem Luftelement angehört, sollte ich darauf gefasst sein, dass es bei einem Versuchsballon bleiben könnte. So spannend das Gedankenspiel auch zu sein verspricht, die anderen Karten werden weitere Tendenzen über die Praktikabilität aufzeigen.
Die Kopfposition zeigt die herrschende Grundstimmung der Auslage an, die Motivation, unter der sich alle anderen Karten einreihen. Die ♠ 3 trägt bei Ana den Titel ‚Das Grab‘. Zeit, etwas zu verabschieden, los- und hinter sich zu lassen, um weiter voranzukommen. Nicht gerade motivierend, tatsächlich einen Kreuzungsversuch zu starten. Und hole ich mir z.B. die Münzen 3 des RWS-Decks vor das innere Augen, dann zeigt sie mit den drei Menschen, die ein gemeinsames Projekt realisieren, eine ganz andere Deutung der Zahlenschwingung 3. Die Karten unter der ♠ 3 können als das Grab selbst betrachtet werden. Was also sollte ich begraben, wovon Abschied nehmen? – Außer dem ♣ Buben.
Auf der Bauchposition liegt die 2, deren Titel bei Ana ‚Die Rivalen‘ lautet. Des Pudels Kern steckt also vielleicht in einer Art 'Konkurrenz- oder Wettkampf' zwischen den beiden Energien der Kartensysteme, wenn ich diese gegeneinander austausche. Die Anordnung der beiden Karo-Symbole scheint mir sogar eine ‚getrennte Haltung‘ vorzuschlagen. Es sind 2 (!) Systeme, eines hier und eines dort, belasse es auch dabei. Akzeptiere, dass jedes eine eigene Sprache spricht und eine eigene Dynamik, seine persönlichen Stärken hat. Der ♣ Bube möchte dieses Experiment sicher trotzdem gern durchführen wollen (Luft nährt Feuer!), die beiden Systeme werden sich auch darauf einlassen (Feuer braucht Luft zum Brennen!).
Die Basis des Austauschs von Kartendeck und -system wird in der ♠ 4 ‚Der Nordwind‘ ausgedrückt. Die 'gemeinsamen' Wurzeln dürften sich zwar mildernd auswirken ( Feuer und ♠ Erde bilden eine Verbindung von Engagement und Durchführung), doch wird es vermutlich eine holperige, grobe Übersetzung werden. Das Wasser fehlt einfach in der Auslage, um eine geschmeidige Überblendung zu ermöglichen.


Die geomantische Deutung sei nur der Vollständigkeit halber am Rande erwähnt:

Zeuge nach Zahlen ist FORTUNA MINOR, der sich auf gerade begonnene Unternehmungen misslich auswirkt. Zeuge nach Farben ist ALBUS, eine Figur die hier wohl am ehesten für Weisheit und spirituelle Entwicklung stehen dürfte. Beide zusammen ergeben den Richter CAUDA D, ein Rat, sich von einem solchen Unterfangen abzuwenden.


Mein Fazit:

Ein Austausch der Spielkarten gegen ein entsprechend präpariertes Tarotdeck ist prinzipiell möglich, wird aber keine 1:1 Umsetzung in der Deutung ergeben. (Habe ich auch nicht erwartet…)

Sonntag, 18. Dezember 2011

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 2

Ana Cortez liest die Zahlenkarten ähnlich wie Enrique Enriquez. Auch wenn die klassischen Spielkarten keine szenischen Darstellungen aufweisen, zeigen sie doch auf eine eindrucksvoll abstrahierte Weise ihre Bedeutung über die Anordnung der Farbsymbole.


Ich möchte das gern verdeutlichen mit meinen Worten, nach meinem heutigen Verständnis.
Dabei schälte sich im Laufe meiner Betrachtung die Idee heraus, dass das aktive, handlungsfähige As immer in der Mitte der Spielkarte zu sehen ist. Was nur in den ungeraden Zahlenkarten der Fall ist.
Die geraden Zahlenkarten hingegen zeigen eine Art immer konkreter werdender Umgebung, als zoomte man aus dem All in einigen Schritten bis in das Innere eines Hauses hinein.

Die Asse zeigen ein einzelnes Farb-Symbol in der Mitte der Spielkarte (♠).
Es ist ein erstes Aufblitzen. Aus ihm entsteht die gesamte Folge seiner Farbe. Es ist wie ein Keim, wie ein Samenkorn, das das gesamte Potenzial enthält.
Es ist das ICH, allein in seiner Mitte, im Zentrum, 'der Nabel der Welt', unbegrenzt in der unendlichen Weite des Raumes seines Universums mit allen Freiheiten.
 
Bei den 2ern sehen wir zwei einander gegenüberstehende Farbsymbole.
Das AS ist nicht zu sehen. Stattdessen wird ein vager Raum vorgestellt. Ein Start- und ein Zielpunkt tauchen aus dem Nichts auf. Das As wird nicht mehr All-ein sein. Ein Ziel kann ins Auge gefasst werden. Von hier nach dort, woanders. Es erlebt ein Gegenüber und spiegelt sich im DU. Eine Öffnung nach Außen findet statt, Austausch wird möglich, Auseinandersetzung, Reflexion. Polarität und Dualität wird erfahrbar. Aktion und Reaktion.

Die 3er zeigen die Farbsymbole in einer Säule oder Kette übereinander angeordnet.
Das AS steht nun zwischen zwei Polen, zwischen zwei Möglichkeiten. Expansion in unterschiedliche Richtungen wird möglich. Ausdehnung und Ausrichtung.
Schritte auf dem Weg, Bewegung. Entscheidung für eine Option. Verbindung von Gegensätzen, Vermittlung. Außer beim Karo-AS könnte eine Entscheidung der Bewegungsrichtung abzulesen sein, weil zwei Symbole in eine Richtung zeigen.

In den 4ern finden die Farbsymbole in den Kartenecken ihren Platz. Das AS ist nicht zu sehen.
Die Symbole umreißen den zur Verfügung stehenden Rahmen, definieren den Raum. Sie markieren eine Begrenzung, bieten Orientierung, zeigen eine konkrete Umgebung. Es ist das Einzoomen vom Universum auf die Welt.

Die 5er platzieren das AS wieder im Mittelpunkt, bilden mit ihm zusammen ein X, eine Kreuzung oder auch eine Negation wie beim Auskreuzen.
Das ICH befindet sich in einem ihm zur Verfügung stehenden Raum. In welche Richtung soll es sich wenden? Die Optionen der 3er haben sich verdoppelt.
Verwirrung, Irritation – und daraus resultiert als Folge Unsicherheit. Krise.

Auf den 6ern fehlt wieder das As. Die Farbsymbole formen zwei parallele Linien, bauen den grob gefassten Rahmen der 4er zu einem engeren, geschlossenem Raum aus. Diese Anordnung erinnert fast an ein Oval, zumindest entsteht ein Rechteck, wie ein Haus. Schutz, Ruhe und Erholung, Pause nach den Wirren und Aufregungen der 5 werden dem AS hier angeboten.

Die 7er weisen die einzigen nicht symmetrischen Bilder der Zahlenkarten auf, was sie aus der Reihe heraushebt. Sie sind die Mittelkarten einer kompletten Farbfolge!
Ähnlich den 3ern hat das AS gegensätzliche Möglichkeiten der Aus-Richtung. Analog zum Einzoomen im Raum findet bei den 7ern eine Fokussierung im AS / ICH selber statt. Es stellt sich an den Rand des Raumes, um sich in Ruhe auf die innere Stimme konzentrieren, seine persönliche Bestimmung erkennen zu können– um dann authentisch zu handeln.

Das Bild der 8er zeigt ein solides Muster wie ein Gitter. Im Haus steht das AS nun vor einer Wand, die ihm den Weg versperrt. Oder ist es eine Treppe, die ihm den Aufstieg in eine andere Ebene ermöglicht? Die Weichen hat es selber in der vorangegangenen Entwicklung gestellt.

Mit den 9ern endet der Zyklus. Die maximale Punktzahl ist erreicht. Das AS wird eingefasst und getragen von acht Farbsymbolen, steht mitten in der Menge. Wie verhält es sich seinen Mit-Assen gegenüber? Wo befindet es sich jetzt? Steigt es auf oder rennt es gegen die Wand?
Eine letzte Prüfung ist zu meistern. Abschied und Trennung, Extreme, aber auch Überwindung des Egos zu Gunsten einer humanitärer Gesinnung sind in der 9 enthalten.
So wie das As alle folgende Karten als Möglichkeiten in sich enthält, fasst die 9 alle vorangegangenen Karten in sich zusammen.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Ausflug in die Welt der Spielkarten – Teil 1

Wie ihr wisst, suche ich immer wieder Interessantes in Sachen Tarot & Co. Heute unternehme ich einen Ausflug in die Welt der Spielkarten. Obwohl der Tarot ja eng mit ihnen verwandt ist, wurde ich nie wirklich warm, mit diesen Verwandten oder gar Ahnen zu arbeiten.
Unterschiedliche Bücher konnten mein Verständnis für dieses Kartensystem nicht wecken, bis ich vor fast einem Jahr auf das illustrierte PlayingCardsOracle und das dazugehörige Buch von Ana Cortez stieß. In meinem Geomantie-Wege-Blog hatte ich bereits das PlayingCardsOracle-Deck von Ana Cortez vorgestellt, weil sie bei der Interpretation auch die Geomantie mit einfließen lässt und so Kartenspiel und Geomantie verbindet – zwei binäre Systeme werden auf diese Weise in faszienierender Art verknüpft.

Ana betont in ihrem Buch, dass es sich bei ihrem Spielkartendeck keinesfalls um Tarotkarten handelt, sondern um ein eigenständiges Kartensystem auf der Grundlage des lunaren Kalenders:
  • 52 Karten => 52 Wochen eines Mondjahres
  • 4 Farbfolgen => 4 Jahreszeiten13 Karten in jeder Farbfolge => 13 Wochen in jeder Jahreszeit
  • addiert man alle Zahlen einer Farbfolge, erhält man die Zahl 91 = die Tage jeder Jahreszeit
  • addiert man alle Zahlen des Kartenspiels, erhält man die Zahl 364 = die Tage eines Mondjahres

Dennoch lässt mich ein Vergleich zwischen den beiden Kartensystemen nicht los und beschäftigt mich seitdem… Immerhin soll der Tarot ja aus den Spielkarten entstanden sein, so dass ich mir doch einige Fragen stelle. Solltet ihr mögliche Antworten und Ideen haben, schreibt sie mir bitte!
Während ich Anas Kartensystem für mich greifbar und erfahrbar mache, stelle ich fest, dass sich die von ihr vorgenommene Einteilung der Zahlen- und Hofkartenfür mich sehr stimmig anfühlt. Die Zahlenkarten beinhalten nur die natürlichen einstelligen Zahlen von 1 bis 9, die Hofkarten entstehen aus zusammengesetzten Zahlen. Weil die 10 eine zusammengesetzte Zahl ist, wird sie (wieder) zur Hofkarte – und zwar zu einer 'Lady-card', also einem Mädchen als Pendant zum Buben. Ana schreibt in ihrem Buch, dass es bereits vor 400 Jahren entsprechende Darstellungen auf Spielkarten gegeben habe – über untermauernde Hinweise wäre ich sehr dankbar, denn ich konnte bislang keine finden.
Mit (Wieder-) Einführung der Mädchen ist der Hof paritätisch ausgeglichen in seinen weiblichen und männlichen Energien. Das entspricht auch der Benennung der Hofkarten einiger Tarotdecks, wie z.B. beim Thoth-Deck (Prinzessin - Prinz - Königin - Ritter) oder Haindl-Deck (Tochter - Sohn - Mutter - Vater).
Was mich bei dieser Einteilung zusätzlich so nachdenklich macht, ist der numerologische Aspekt. Versieht man die Karten bis zum Ende mit einer fortlaufenden Nummerierung, werden den weiblichen Hofkarten die geraden Zahlen 10 und 12 zugeordnet, den männlichen die ungeraden 11 und 13.
Werden im Tarot deshalb die Hofkarten nicht gezählt? Weil die numerologische Entsprechung nicht stimmig wäre? Und wofür braucht man eine Zahlenkarte mit dem Wert 10, wenn ein Zyklus mit der 9 doch bereits beendet ist? Die 10 markiert den Anfang eines neuen Kreises, der ebenfalls von der 1, dem As dargestellt wird… Da kann man doch mal nachfragen, oder?